Interview "Office Solutions 04/05" mit Jean-Marc da Costa

Ist die Arbeitsplatz-Tischleuchte das Meisterstück eines Leuchtendesigners?

Dieser Leuchtentypus ist in der Tat eine große Herausforderung für einen Designer. Denn eine gute Tischleuchte muss sowohl in ihrer Handhabung, etwa einer komfortablen Verstellung, als auch in der Lichtfunktion optimal gestaltet sein. Und das erfordert gestalterische Fähigkeiten, aber auch eine hohe Engineering-Kompetenz. Allerdings bin ich der Ansicht, dass die Arbeitsplatz-Tischleuchte in der typischen Bürowelt eine immer geringere Rolle spielt. Der Trend geht schon seit etwa zehn Jahren hin zur mobilen Office-Stehleuchte. Zunächst noch als reine Indirektlicht-Ausführung mit der Reflexion über die Deckenflächen, aber dafür in Kombination mit Tisch- und Wandleuchten. Diese Beleuchtungsform bezeichnet man auch als 3K-Konzept.

 

Ist die Unterscheidung von dekorativem und technischem Licht noch aktuell?

Ich würde sagen, ja! Es ist jedoch ein ganz klarer Trend der Annäherung zu erkennen, was ich persönlich sympathisch finde.

 

Welche Bedeutung haben denn die neuen Leuchtmittel konkret für die Arbeitsplatzgestaltung?

Prinzipiell ist die Leuchtstoffröhre immer noch „das“ Leuchtmittel der Bürowelt. In den letzten zwanzig Jahren wurde deren Technologie enorm weiterentwickelt, und so ist eine Vielzahl von Varianten entstanden. Der Leuchtmitteltypus ist bei höherer Lichtausbeute und längerer Lebensdauer immer kleiner geworden. Zu Recht heißen die neuen, einseitig gesockelten Ausführungen deshalb auch Kompaktleuchtstofflampen. Der Miniaturisierungstrend hat erstaunliche Möglichkeiten für Designer mit sich gebracht. Durch die extrem hohen Leuchtdichten wurde jedoch auch das Thema der Abblendung immer dringlicher – und somit die Leuchten-Technologie wesentlich aufwendiger und anspruchsvoller. Deutlich komplexer sind damit auch die für diese Leuchtmitteltechnologie notwendigen elektronischen Betriebsgeräte.Auf der anderen Seite sorgen sie für eine optimale Nutzbarkeit dieser hochmodernen Kompaktleuchtstofflampen. Durch den elektronischen Betrieb zündet die Leuchtstofflampe sofort und ist von ein bis hundert Prozent stufenlos regelbar, dies wenn gewünscht auch in Abhängigkeit von Kunst- oder Tageslicht. Das ist dann sogar über eine Software am PC individuell einstellbar.

 

 

Wie hat sich die Beleuchtung von Arbeitsplätzen in den letzten Jahren gewandelt?

Aktuelle Beleuchtungskonzepte gehen dahin, nicht mehr den gesamten Raum in eine Grundhelligkeit zu tauchen, sondern es wird gerichtet und somit auch effizienter illuminiert. Auch kann der einzelne Nutzer heutzutage mit Leuchten und Steuerungssystemen seinen Bedürfnissen entsprechend die jeweilige Beleuchtungsintensität wählen.

 

Sind die Vorschriften zur Arbeitsplatzbeleuchtung eigentlich nützlich?

Bisher waren sie meiner Ansicht nach eher hinderlich. Inzwischen wurden die Vorschriften durch eine Europäische Norm ersetzt. Daher würde ich sagen, sie unterstützen jetzt einen positiven Trend. So galten bisher die recht undifferenzierten Vorschriften für die Arbeitsplatzbeleuchtung, die DIN 5035. Meines Wissens nach ist diese DIN-Norm bereits rund vierzig Jahre alt, und die letzte Aktualisierung fand 1990 statt. Man kann sich leicht vorstellen, welch große Lücke zwischen dem Stand der Beleuchtungstechnik und den überholten Normen bis vor kurzem bestand.

 

Dies führte auch dazu, dass die Normen von vielen Planern und Elektrotechnikern oftmals missbraucht wurden. Es ging dem Planer in erster Linie darum, vorgeschriebene Lichtwerte zu erzielen und den Normen zu entsprechen, und nicht so sehr darum, ein aus lichttechnischer Sicht gutes und sinnvolles Ergebnis zu erzielen.Ganze Großraumbüros wurden beispielsweise – ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse der Nutzer und Nutzerinnen – innerhalb der einzelnen Funktionszonen mit bis zu 1000 Lux in Kunstlicht eingetaucht. Die nun gültige neue Norm EN 12464 ersetzt die alte DIN. Sie verlangt deutlich mehr Fachwissen und ist somit – zumindest tendenziell – auch ein gewisser Garant für bessere Planungsergebnisse.

 

Liegt die Zukunft im Mischen von natürlichem und künstlichem Licht?

Ja, und diese Tendenz zeichnet sich bereits ab: In der zeitgenössischen Architektur geht die Entwicklung hin zu mehr und größeren Fenstern. Denn Tageslicht wird nun einmal als angenehmer empfunden als Kunstlicht. Auf der anderen Seite kommen wir um den Einsatz von Kunstlicht nicht herum. Denken Sie an die immer flexibler und länger werdenden Arbeitszeiten. Wir brauchen also beide Arten von Licht, und für beide Bereiche sind Weiterentwicklungen zu erwarten: Dabei wird sich das Kunstlicht in seiner Qualität am Tageslicht orientieren. Und auch über den intelligenten Einsatz von Tageslicht wird nachgedacht. So können schon spezielle Fenster helfen, das Licht von draußen gezielt und blendfrei in den Raum zu lenken und gleichmäßig zu verteilen.