Synagogen beleuchten

 

Mit dem Thema beschäftigen wir uns seit etwa 15 Jahren. Durch den Kontakt zu dem Frankfurter Architekten Alfred Jacoby wurden wir in der Folge auch mit der Beleuchtung der Synagogen in Darmstadt, Heidelberg, Aachen, Kassel und Chemnitz und einem Syna­gogen­raum in Köln beauftragt.

 

Diese Aufgabe bezog sich im Kern auf die Gestaltung der kultischen Gegenstände, die mit Licht zu tun haben: die Menora, der siebenarmige Leuchter, der an den verschollenen Leuch­ter des Tempels in Jerusalem erinnern soll, der Kaddish-Leuchter zum Gedenken an die Verstorbenen, der Kronleuchter und das Ewige Licht.

 

Zunächst galt es, die besonderen gestalterischen Merkmale der Synagoge und ihrer ­kultischen Gegenstände zu erfassen, um anschließend zu neuen, zeitgemäßen Formen zu finden. Hierbei haben wir immer einen deutlichen Bezug zur jeweiligen Architektur gesucht und versucht, auf die unterschiedlichen räumlichen Gegebenheiten Rücksicht zu nehmen. So entstanden für einige Bauten festliche Kronleuchter, für andere wiederum blieb es bei einer schlichten Menora und Ewigem Licht.

 

Für die Kronleuchter haben wir bei allen Entwürfen die Kreisform gewählt, die in sechs Seg­mente untergliedert wurde. Dabei wurde in den letzten Entwürfen auch immer die Form des Davidsterns einbezogen. Dieses grafische Symbol eröffnet durch seine sich gegen­seitig durchdringenden Geraden viele Interpretations- und Variationsmöglichkeiten in der dreidimensionalen Gestaltung. So bilden einmal nur einfache Rohre die Form des Sterns nach, ein anderes Mal sind es die elliptischen Glassegmente, oder es ist ein kompletter Leuchtkörper, der die Form zitiert. Es wird hier sehr deutlich, dass diese spezielle Form des Kronleuchters nur in einer Synagoge hängen kann und die Gestaltung gerade diese Besonderheit explizit hervorhebt.

 

Bei dem zweiten wichtigen Gegenstand, der in keiner Synagoge fehlen darf, der Menora, sind wir von der anfangs eher traditionellen Gestaltung eines siebenarmigen Leuchters immer mehr zu einer Abstraktion dieses starken Symbols übergegangen, das insbesondere in der Kasseler Synagoge zu einer schlichten, erhabenen Form gefunden hat. Bei diesem Entwurf formen nur noch wenige durchleuchtete Geraden hinter einem dunkelblauen quadratischen Glas das Bild der Menora. Für Chemnitz wurde dieses Prinzip der grafischen Darstellung variiert. Hier bildet ein durchleuchteter Körper den Hintergrund für den Schattenriss einer Menora. Dieses Variieren eines Themas macht für uns
den besonderen Reiz der Aufgabe aus, und dieser Herausforderung kann man mit viel Enthusiasmus und Freude begegnen. Die Gestaltung des Ewigen Lichtes hat zudem den Hauch des Unvergänglichen, den wohl viele Gestalter mit ihrer Arbeit erreichen wollen. 

 

So haben wir konsequenterweise auch als Leuchtmittel die bis zu 100.000 Stunden haltbaren neuen LED eingesetzt. Formal haben wir uns bei der Gestaltung des Ewigen Lichtes von der traditionellen Form eines Kerzenlichts entfernt und stattdessen oftmals auf die Form eines rot erleuchteten Zylinders innerhalb einer ruhigen Fläche gesetzt. Mit der Endlichkeit des eigenen Seins wird man dann bei der Gestaltung des Totenlichts, des Kaddisch, konfrontiert: Eine Erinnerungstafel mit Namensschildern wird zum Gedenken an die Verstorbenen am Eingang der Synagoge angebracht und an den jeweiligen Todes­tagen durch ein Licht hervorgehoben. Auch hier haben wir auf das starke Symbol des Judentums – den Davidstern – zurückgegriffen und diesen zumeist in Verbindung mit Licht gebracht. Sei es durch Hinterleuchten oder Durchleuchtung der Form. Er bildet zumeist den „Kopf“ einer Tafel, auf dem die Schilder mit den jeweiligen Namen der Verstorbenen befestigt sind.

 

Durch das Vertrauen, das uns das Architekturbüro Jacoby entgegengebracht hat, waren wir in der Lage, die Entwürfe ganz nach unseren Vorstellungen zu gestalten. Auch die jüdischen Gemeinden haben uns freie Hand gelassen, so dass wir in der Regel kompromisslose, stark symbolhafte Leuchten für diesen besonderen Zweck erstellen konnten.